Der Schöpfungsmythos der Elfen - mein Weihnachtsgeschenk an euch

Aktualisiert: 10. Apr 2019



Die letzten Tage bin ich mit der Idee schwanger gegangen, was ich in meinem Urlaub *höhö* so Schreiben oder Produzieren könnte - ganz besonders für meinen Weihnachts-Newsletter. Ich habe hier ein bisschen an "The Matron§" geschrieben und dort über die dritte Muse nachgedacht, aber so richtig hat mich nichts angesprungen.

BIS HEUTE MORGEN! :D Dann musste alles ganz schnell gehen. Audacity herauskramen, Mikro einstellen und GO!


Das Ergebnis ist ein etwa 10-minütiges Schmankerl für die Ohren, mit dem ich euch jetzt mal ohne weiteres Gelaber allein lasse *hihi*



Über diesen Link kommt ihr zur Audiodatei! (Ja, ich weiß, irgendwann werde auch ich einen Youtube-Channel haben, ok? ;) )


https://drive.google.com/file/d/1kCvItu0f9zVyFN5aGi8UXHtUFepz8JNN/view?usp=sharing


Ich wünsch euch ganz viel Spaß, ein bombastisches Weihnachten und einen guten Rutsch!

Wie immer freue ich mich über Feedback! ;)


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Für alle, die es nicht hören wollen oder können, hier die Textversion. ;)



Ich bin eine alte Frau, nicht von Bedeutung für das große Ganze. Aber lasst mich Euch erzählen, wie die Elfen zu einem Volk voller Magie und Wunder wurden. Hört aufmerksam zu, denn nur aus dem, was war, werdet ihr Sinn finden können in dem, was noch kommen wird.


Vor 10.000 Jahren, als die Elfen noch ein junges Volk waren, lebten sie in direkter Nachbarschaft der Menschen. Sie halfen sich gegenseitig aus, Seite an Seite auf der immergrünen Insel, die sie Anglia nannten. Sie halfen einander bei Dürre und Nässe, bei Sturm und Hagel, so wie Nachbarn es tun sollten. Aber die Menschen wurden mehr und immer mehr, ihre Völker wuchsen schnell, denn ihre Leben waren kurz. Sie drängten die Elfen bis an den spitzfelsigen Rand der Insel, und die liessen es geschehen, denn sie waren ein friedliebendes Volk.

Die Menschen sind nicht grausam. Selten tun sie Böses um des Selbstzweck willens. Ihr Blick reichte nur nicht weit genug, um zu erkennen, dass das, was man an den Rand zu drängen sucht, zurückschlägt... und das waren nicht die Elfen. Denn ein drittes Volk lebte an den rauen Klippen, wo nur kurze Gräser wachsen und die Füchse das dichteste Fell haben. Die Drachen.


Über viele Tausend Jahre hatten die alten Frauen der Menschen und der Elfen gewarnt, niemals den letzten Fluss gen Westen zu überqueren und den dortigen Landstrich zu besiedeln. Doch wer nie in ein Gebiet geht, der weiss nicht, welcher der letzte Fluss vor der Küste ist. Also gingen die Elfen gen Westen, siedelten weiter und immer weiter unter dem Sonnenuntergang. An dem Tag, an dem die Elfen sich endgültig über den Fluss drängen ließen, kamen die drei Völker ins Ungleichgewicht. Noch heute wissen die, die es zu wissen wagen, dass die Elfen an diesem Tag ihren eigenen ewigen Feind weckten - und ihn auch auf ihre Brüder weiter östlich aufmerksam machten.

Die Elfen, gefangen zwischen rauen Menschen und einer noch raueren See, versuchten ihr möglichstes, die riesigen Tiere zu vertreiben, die sich auf die Hinterbeine stellen konnten wie Höhlenbären und deren Zähne noch länger waren als die der Wölfe. Sie brachten den Tod über zehntausende Drachen, einige schmückten sich gar mit den Schuppen und Zähnen ihrer Beute. Doch der Tod ist ein gerechter Herrscher - er besucht jedes Volk in seinem Weg. Er nahm sich die Kinder der Elfen, jedes selten und wertvoll wie ein Edelstein.

So kam es, dass sie sich an ihre Göttin wandten... und die erhörte ihr Flehen.

Sie trug den Priesterinnen ein Ritual auf, größer und mächtiger als jedes vorherige. Und endlich, als die Sonne im Winter am tiefsten stand und die Hoffnung des Volkes kaum noch geknüpft war an die Euphorie der Priesterinnen, da kam sie vom Himmel herab in Gestalt einer Frau, die schöner war als die Sonne selbst.


Sogar der König fiel vor ihr auf die Knie, kaum dass sie den ersten Fuß auf den Tempelboden gesetzt hatte. Er flehte sie an, etwas gegen die Drachen zu tun, die so viele Kinder geraubt und getötet hatten. Da wurde die Göttin traurig. »Was soll ich gegen sie tun?«, fragte sie, und in ihrer Stimme trug sie die ganze Welt. »Die Drachen mögen sich gegen euch gestellt haben, aber auch sie sind meine Geschöpfe. Würde ich nicht mögen, wie sie am blauen Firmament segeln, so fielen sie in einem Handstreich vom Himmel.«

Die Elfen dachten lange und in aller Stille nach. »Dann bitte, gütigste Göttin, lasst die Menschen zurückweichen und ihre Fehler erkennen«, baten sie dann.

»Wie soll ich sie überzeugen?«, fragte die Göttin ernst. »Die Menschen mögen euch um euer Land gebracht haben, aber auch sie sind meine Geschöpfe. Würde ich nicht mögen, wie ihre Frauen hoffnungsvoll in viele Kinderaugen blicken, sie bekämen ab morgen kein einziges mehr.«

Wieder dachten die Elfen nach. Sie ahnten, was auch immer sie erbitten würden, die Göttin müsste es verneinen, um keinen Teil ihrer Schöpfung zu übervorteilen. Die ersten wurden wütend. Beschuldigten die Priesterinnen, einen bösen Geist in schöner Hülle auf die Erde geholt zu haben, der sich an der Verzweiflung des Volkes labte. Schließlich trat die älteste Priesterin hervor. »Was also können wir wünschen? Ist all unser Suchen vergebens?«

»Nichts ist jemals vergebens außer dem Suchen selbst«, lächelte die Göttin. »Ersucht mich deshalb um nichts, präsentiert mir nicht die Lösung, die eurer Meinung nach die richtige ist. Erlaubt mir stattdessen, die Lösung zu finden, die jedem zum höchsten Ziel gereicht. Erlaubt mir, zu helfen. Das wie legt ganz und gar auf meine Schultern, es war mir niemals Last.«

»Dann wollen wir uns Euch anvertrauen«, sprach die Priesterin. »Wir vertrauen Euch unser dringendstes Rätsel an, an dem wir zu verzweifeln drohen.«

Der König pflichtete ihr bei, und ebenso das ganze Volk. Die letzte leise Frau in der hintersten Reihe hatte kaum ihren Eid geschworen, da blühte die Göttin noch einmal auf, ein Meer aus Licht und Liebe im Raum. Sie verkündete: »Drei Frauen besitzt dein Volk, edler König, deren Arme und Herzen gerade schmerzhaft leer sind. Bring mir diese Frauen nach vorn, und euer Leid soll sich zu höchstem Glück wandeln.«

Die Elfen im Tempel begannen, zu reden, zu zeigen, sanft an Händen zu ziehen. Jedermann spürte in der Luft, welchen Frauen dieser Aufruf galt. Mit Tränen in den Augen reihten sich drei Elfinnen vor der Göttin auf. Sie alle hatten vor kurzem den Sinn ihres Daseins an die Drachen verloren, ihre Augen Kindergräber. Die Göttin streckte die Arme nach vorn und gebot den Frauen, das auch zu tun. »Ki vill, skall«, sagte sie laut, und die Elfen waren überrascht, dass sie verstanden. »Was ich will, das wird«, sagte sie dann noch lauter. Und dann, kaum hörbar, flüsterte sie abermals: »Ki vill, skall.«

Für eine ängstliche Sekunde war es totenstill im Tempel, alle Augen auf der Göttin. Dann kippten kurz nacheinander drei junge Mädchen in die Arme der wartenden Frauen, gerade aus dem Nichts heraus. Mit großen Augen lugten sie über die Ärmel ihrer neuen Mütter hinweg, aber als sie die Göttin neben sich sahen, wurden sie ruhig und verstanden. »Drei Töchter sende ich dir, werter König«, verkündete die Göttin. »Sie sind ebenso entstanden aus deinem Blut wie aus meinem. Sie werden eine Insel ausfindig machen, die alle Elfen tragen kann. Und dann, wenn sie zu voller Stärke gekommen sind, werden sie euch an die Hand nehmen und euch in eure neue Heimat führen.«


Viele hatten es an diesem Tag im Stillen gedacht und viel Diskussion war zu hören in den Wochen nach diesem Ereignis. Wenn im Osten die Menschen, im Norden und Süden das Meer und im Westen die Drachen waren, wo sollte diese Insel dann sein? Wo konnten die Elfen ihren Frieden finden? Sie staunten über die Maßen, als die drei Töchter der Göttin ein halbes Jahr nach ihrer Ankunft große Felsen aus dem Meer zusammenfügten, indem sie nur gemeinsam am Meer standen, und eine große Ebene entstand, die sie in den Sommerhimmel entließen. Wortlos nahmen sie zuerst ihre Mütter an die Hände und wünschten sich in einem Augenblinzeln hinauf. Sie ließen Bäume und Gras auf der Ebene wachsen, machten es grün mit bunten Tupfen aus Schmetterlingen und Blüten. Und in einer letzten Anstrengung verschoben sie sie gegen Raum und Zeit, sodass kein lebendes Auge sie wiederfand. Ein einziges Portal schufen sie, einen einzigen Weg zwischen ihrer neuen Welt und der alten. Die Töchter des ersten Elfenkönigs, geboren an einem Tag aus der gütigsten aller Göttinnen, leben noch hunderte Jahre Seite an Seite mit den Elfen und gebaren ihnen Kinder, jedes bedacht mit einem kleinen Funken ihrer Macht. Sie wurden die ersten Prophetinnen, die Mütter all unserer Magie, die Retterinnen unseres ganzen Volkes. In den siebenhundert Jahren, die das neue Land ihnen schenkte, sahen sie keinen Tropfen Blut zwischen den drei Völkern fließen.

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